Behindertenparkausweis: Voraussetzungen, Antrag, Rechte

Behindertenparkausweis – der Ausweis für den Behindertenparkplatz

Behindertenparkausweis: Die "Parkkarte für Behinderte" erlaubt das Stehen auf einem Behindertenparkplatz.

Behindertenparkausweis: Die “Parkkarte für Behinderte” erlaubt das Stehen auf einem Behindertenparkplatz.

Für das Parken auf einem Behindertenparkplatz ist ein Ausweis vonnöten. Dieser zeigt den Beamten bei einer Kontrolle an, dass der Fahrer tatsächlich die Berechtigung hat, auf dem Parkplatz stehen zu dürfen. Andernfalls muss er mit einem Bußgeld von 35 Euro rechnen. Auch kann das Fahrzeug abgeschleppt werden, um den Behindertenparkplatz für diejenigen freizuhalten, die ihn tatsächlich brauchen.

Auf einem Behindertenparkplatz ohne entsprechenden Behindertenparkausweis zu stehen, ist somit keine gute Idee. Doch was genau hat es eigentlich mit diesem Dokument auf sich? Gilt nicht der Schwerbehindertenausweis automatisch als Parkausweis für Schwerbehinderte? Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, um auf einem Behindertenparkplatz parken zu dürfen? Und wo kann ein Antrag auf einen Parkausweis für Behinderte gestellt werden? Diese und weitere Fragen beantworten wir im Folgenden.

Reicht der Schwerbehindertenausweis nicht zum Parken auf einem Behindertenparkplatz aus?

Zuallererst sei gesagt: Auf einem Behindertenparkplatz ist das Parken nur mit Schwerbehindertenausweis oder Behindertenausweis eine Ordnungswidrigkeit. Denn ein Parkausweis und ein Schwerbehindertenausweis sind nicht das Gleiche!

Auf einem Behindertenparkplatz nur mit einem Behindertenausweis zu parken, ist ordnungswidrig. Sie benötigen einen Behindertenparkausweis!

Auf einem Behindertenparkplatz nur mit einem Behindertenausweis zu parken, ist ordnungswidrig. Sie benötigen einen Behindertenparkausweis!

Es ist demnach nicht ausreichend, das Auto auf einem Behindertenparkplatz abzustellen und den Schwerbehindertenausweis gut sichtbar ins Fahrzeug zu legen. Sie benötigen einen speziellen Behindertenparkausweis (wird manchmal fälschlicherweise auch als „Behindertenparkschein“ bezeichnet). Nur wenn dieser vorhanden ist und im Auto liegt, werden Kontrolleure Ihr Fahrzeug auf dem Behindertenparkplatz unbehelligt lassen.

Wenn Sie also auf Behindertenparkplätze angewiesen sind, sollten Sie einen solchen Parkausweis für Schwerbehinderte beantragen. Dabei ist es unerheblich, ob Sie selbst Auto fahren oder sich von jemand anderem fahren lassen. Solange eine Fahrt der Beförderung einer Person mit Behindertenparkausweis dient, darf das Auto auf einem Behindertenparkplatz geparkt werden.

Sitzt die Person mit Behinderung allerdings einmal nicht mit im Auto, sollte der Fahrer es dringend unterlassen, auf einem Behindertenparkplatz zu parken – selbst wenn der Behindertenparkausweis im Fahrzeug liegt. Denn damit kann er sich des Missbrauchs von Ausweispapieren strafbar machen.

Blauer oder orangener Parkausweis für Schwerbehinderte – wo ist der Unterschied?

Tatsächlich gibt es zwei verschiedene Arten von Behindertenparkausweis, die sich vor allem in ihrer Farbe unterscheiden: blau und orange. Bei der blauen Variante handelt es sich um den EU-Parkausweis für Behinderte. Er gilt in sämtlichen EU-Ländern, während ein orangener Parkausweis für Behinderte nur in Deutschland gültig ist.

Doch die beiden Ausweise unterscheiden sich nicht nur in ihrem Gültigkeitsbereich, sondern auch hinsichtlich der damit verbundenen Rechte. Denn nur ein blauer EU-Behindertenparkausweis berechtigt zum Parken auf einem öffentlichen Behindertenparkplatz!

Wozu sollten Menschen mit Behinderung dann aber überhaupt einen Antrag für einen orangenen Behindertenparkausweis stellen, wenn sie damit gar nicht auf einem Behindertenparkplatz stehen dürfen?

Für einen blauen EU-Schwerbehindertenparkausweis müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein, um diesen zu bekommen. Nicht jeder Behinderte erfüllt diese und darf deshalb nicht auf einem Behindertenparkplatz parken, obwohl ihm das Laufen schwerfällt und er nur kurze Strecken zu Fuß zurücklegen kann. Dann macht ein orangener Behindertenparkausweis durchaus Sinn, denn dessen Voraussetzungen sind leichter zu erfüllen und er berechtigt den Inhaber zum Parken in folgenden Bereichen:

Mit einem Behindertenparkausweis müssen Sie keine Parkgebühr entrichten.

Mit einem Behindertenparkausweis müssen Sie keine Parkgebühr entrichten.

  • im eingeschränkten Halteverbot, im Zonen-Halteverbot und auf Anwohnerparkplätzen (jeweils bis zu 3 Stunden und nur mit Parkscheibe)
  • in Fußgängerzonen während der Ladezeit
  • in verkehrsberuhigten Bereichen, wenn der Durchgangsverkehr nicht behindert wird
  • an Parkuhren und auf gebührenpflichtigen Parkplätzen, ohne eine Gebühr zahlen zu müssen und ohne zeitliche Begrenzung
  • evtl. auf privaten Behindertenparkplätzen (jeweilige Parkplatzordnung beachten)

Es gelten für den blauen EU-Behindertenparkausweis die gleichen Rechte wie für den orangenen, nur eben mit dem Zusatz, dass er auch zum Parken auf öffentlichen Behindertenparkplätzen berechtigt.

Außerdem haben Sie die Möglichkeit, einen eigenen Behindertenparkplatz vor Ihrem Wohnhaus zu beantragen, wenn Sie einen EU-Behindertenparkausweis besitzen. Ein gesetzlicher Anspruch besteht hieraus allerdings nicht.

Parkausweis für Behinderte beantragen: Voraussetzungen

Die Art der Behinderung bestimmt, welcher Parkausweis erworben werden kann. Ein blauer Parkausweis für Behinderte wird ausgestellt bei

  • außergewöhnlicher Gehbehinderung (Merkzeichen aG im Behindertenausweis)
  • Blindheit (Merkzeichen Bl)
  • beidseitiger Amelie, Phokomelie oder einer vergleichbaren Behinderung

Ein orangener Behindertenausweis für das Auto kann bei folgenden Voraussetzungen erworben werden:

  • bei Merkzeichen G und B sowie einem Grad der Behinderung (GdB) von wenigstens 80 für Einschränkungen der unteren Gliedmaßen oder der Lendenwirbelsäule, soweit diese Auswirkungen auf das Gehvermögen haben
  • bei Merkzeichen G und B sowie einem GdB von 70 oder mehr wegen Einschränkungen der unteren Gliedmaßen oder der Lendenwirbelsäule sowie einem GdB von 50 oder mehr wegen Erkrankungen des Herzens oder der Atemwege
  • bei Morbus Crohn sowie einem GdB von 60 oder mehr
  • bei Colitis ulcerosa sowie einem GdB von 60 oder mehr
  • bei künstlichem Darmausgang und gleichzeitig künstlicher Harnableitung sowie einem GdB von 70 oder mehr
Demnach ist z. B. für Personen mit einem Schwerbehindertenausweis und Merkzeichen G das Parken auf einem öffentlichen Behindertenparkplatz nicht gestattet, weil für sie nur ein orangener Behindertenparkausweis ausgestellt wird. Wenn Sie sich trotzdem auf einen solchen Parkplatz stellen, drohen Ihnen die gleichen Sanktionen wie beim Parken nur mit Behindertenausweis (also ohne zusätzlichen Parkausweis) oder beim Parken ohne irgendeine Behinderung: 35 Euro Bußgeld, zusätzliche Verwaltungsgebühren und ggf. die Kosten fürs Abschleppen.

Wie können Sie den Behindertenparkausweis beantragen?

Den Behindertenparkausweis können Sie meist beim Straßenverkehrsamt an Ihrem Wohnort beantragen.

Den Behindertenparkausweis können Sie meist beim Straßenverkehrsamt an Ihrem Wohnort beantragen.

Den Antrag auf einen Behindertenparkausweis – egal ob orange oder blau – muss bei der zuständigen Behörde eingereicht werden. Dabei handelt es sich in der Regel um das Straßenverkehrsamt an Ihrem Wohnort, mitunter kann aber auch das Ordnungsamt oder eine andere Behörde zuständig sein. Sowohl die Beantragung als auch die Ausstellung des Ausweises sind kostenlos.

Um für einen Parkausweis für Behinderte einen Antrag zu stellen, muss die behinderte Person nicht selbst über einen Führerschein oder ein Fahrzeug verfügen. Es reicht, dass sie bei der Beförderung mit einem Kraftfahrzeug auf einen Behindertenparkplatz angewiesen ist. Demnach kann auch für ein schwerbehindertes Kind, das regelmäßig von seinen Eltern gefahren wird, ein Behindertenparkausweis beantragt werden.

Bei der Beantragung sind folgende Unterlagen nötig:

  • unterschriebenes Antragsformular
  • Passfoto
  • Schwerbehindertenausweis mit den entsprechenden Merkzeichen
  • Kopie des Bescheids über die Anerkennung dieser Merkzeichen
  • Gleichstellungsbescheinigung
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