Wieso gefährden Gaffer das Leben anderer?

Bußgeldkatalog - Gaffer und Schaulustige

VerstoßBußgeld (€)
Befahren des Seitenstreifens auf der Autobahn und dadurch die Rettungskräfte behindert20
Parken auf dem Seitenstreifens auf der Autobahn und dadurch die Rettungskräfte behindert25
"Gaffen" als Ordnungswidrigkeit20 bis 1.000
Unterlassene HilfeleistungGeldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr (Straftat)
Fotografieren oder Filmen eines UnfallsGeldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren (Straftat)

Gaffer: Schaulustige beim Unfall

Gaffer riskieren Menschenleben, wenn sie die Rettungskräfte behindern.

Gaffer riskieren Menschenleben, wenn sie die Rettungskräfte behindern.

Tragisch genug, wenn es zu einem Unfall mit Personenschaden kommt. Bekanntlich kann bei einem Verkehrsunfall jede Minute zählen, Rettungskräfte müssen schnell handeln. Allein im Jahr 2015 kam es ca. 68.000 Mal zu schweren Verletzungen. Insgesamt wurden 2,5 Millionen Verkehrsunfälle in Deutschland registriert. Knapp 3.500 Personen sind dabei tödlich verunglückt.

Immer wieder kann allerdings beobachtet werden, dass die Rettungskräfte an ihrer Arbeit durch Schaulustige gehindert werden. Nicht selten bilden sich Trauben von Gaffern, die neugierig das Geschehen beobachten oder Kraftfahrer fahren besonders langsam am Unfallort vorbei, um eine bessere Sicht zu haben. In der Regel geht es dabei um die reine Sensationslust.

In den letzten Jahren hat sich mehr und mehr ein Trend durchgesetzt, der durchaus als moralisch verwerflich bezeichnet werden kann. In den häufig verletzlichsten Momenten, die eine Person durchleben kann, zücken Schaulustige ihr Handy, machen Fotos oder drehen Videos, anstatt den Verletzten zu helfen.

Gemäß § 323c Strafgesetzbuch (StGB) gibt es eine Pflicht zur Ersten Hilfe, vorausgesetzt sie ist zumutbar und erforderlich. Wer dies unterlässt, begeht eine Straftat. Auch das Fotografieren bzw. Filmen einer Person in einer solchen Notsituation ist strafwürdig. Im § 201a Abs. 1 StGB heißt es daher:

Mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer

  1. […]
  2. eine Bildaufnahme, die die Hilflosigkeit einer anderen Person zur Schau stellt, unbefugt herstellt oder überträgt und dadurch den höchstpersönlichen Lebensbereich der abgebildeten Person verletzt,
  3. eine durch eine Tat nach den Nummern 1 oder 2 hergestellte Bildaufnahme gebraucht oder einer dritten Person zugänglich macht oder
  4. eine befugt hergestellte Bildaufnahme der in den Nummern 1 oder 2 bezeichneten Art wissentlich unbefugt einer dritten Person zugänglich macht und dadurch den höchstpersönlichen Lebensbereich der abgebildeten Person verletzt.
Schaulustige sollten einen angemessenen Abstand zum Unfallort einhalten.

Schaulustige sollten einen angemessenen Abstand zum Unfallort einhalten.

Behinderung der Einsatzkräfte durch Gaffer

Nicht selten ist an einem Unfallort großes Gedränge. Ersthelfer werden durch Rettungskräfte wie Notärzte, Sanitäter, Feuerwehr oder Polizei abgelöst. Je nach Schwere des Unfalls und der Anzahl der verletzten Personen sind also häufig bereits viele Personen in die Rettung involviert. Wenn ein Leben auf dem Spiel steht, zählt oft jede Sekunde. Verzögerungen durch Gaffer können einem Unfallopfer das Leben kosten.

Stehen Unfallzeugen oder zufällig vorbeikommende Personen schaulustig im Weg und wahren nicht den notwendigen Abstand, erschwert das die Arbeit der Rettungskräfte. Insbesondere die Versperrung von Zugangswegen durch Gaffer stellt ein Problem dar. Für Kraftfahrer gilt, dass sie bei einem Unfall auf keinen Fall den Standstreifen befahren sollten. Dieser wird von den Rettungskräften benötigt. Stattdessen ist eine Rettungsgasse zu bilden, um den Zugang zum Unfallort zu gewährleisten.

Natürlich gilt es bei einem Unfall, besonders vorsichtig zu sein, allerdings sollten Sie als Unbeteiligter den Unfallort schnellstmöglich räumen und nicht langsam an einem verunglückten Fahrzeug vorbei fahren, um möglichst viel zu sehen. Dies verhindert einen schnellen Ablauf der Rettungsmission.

Strafen für Gaffer

Ein Schaulustiger, welcher die Rettungskräfte behindert oder Bildaufzeichnung macht, muss mit einer Strafe rechnen. Gaffer erhalten zwar gemäß Bußgeldkatalog keine Punkte oder ein Fahrverbot, hohe Bußgelder können aber durchaus vergeben werden. Das Fotografieren und die unterlassene Hilfeleistung sind sogar Straftaten, welche mit einer Haftstrafe geahndet werden können.

Darüber hinaus ist es den Rettungskräften möglich, Platzverweise für die schaulustigen Gaffer auszusprechen.

Richtiges Verhalten am Unfallort: Nicht zum Gaffer werden!

Wer als Zeuge einen Verkehrsunfall beobachtet, ist verpflichtet zur Hilfe. Jeder Kraftfahrer lernt noch vor der praktischen Prüfung, wie in einem Notfall zu agieren ist:

  1. Unfallstelle sichern
  2. Notruf wählen
  3. Erste Hilfe leisten

Sobald die Rettungskräfte übernehmen, ist der Unfallort zu räumen. In sicherer Entfernung können Sie ggf. auf die Vernehmung durch die Polizei warten. Es ist stets den Anweisungen der Einsatzkräfte zu folgen.

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{ 6 Kommentare… add one }
  • trude 20. März 2017, 19:46

    ich finde den Bußgeldkatalog für dieses Rüpelhafte Benehmen einen Witz. Wenn Einsatzkräfte bis zu einem Kilometer mit voller Ausrüstung zu Fuß laufen müssen weil sie mit ihren Fahrzeugen nicht durchkommen.
    Diese Personen sollte man doch mal angemessen bestrafen und nicht mit den paar Euros die sie locker aus der Portokasse begleichen (Führerscheinentzug und eine ordentliche Geldstrafe).

  • Hao-Yi C. 28. März 2017, 23:07

    +++ Strafen zu freundlich +++

    Selbst wenn der Gaffer erwischt, bekommt er nur eine Bewährungsstrafe. Die Höchstdauer einer Bewährungsstrafe beträgt max. zwei Jahre. Das bedeutet, dass der Gaffer nach der Urteilsverkündung immer noch ein freier Mensch ist. Das Gesetz ist sprichwörtlich Hanebüchen an den Haaren herbei gezogen & eine Story einer Schmierenkomödie. Man hätte ohne Geldstrafe die Mindestfreiheitsstrafe auf drei Jahren aufsetzen können, um solche Gafferei im Straßenverkehr während des Unfallvorgangs zu unterbinden. Dazu sollen Punkte bei FAER (Fahreignungsregister) in Flensburg, amtlicher Entzug der Fahrerlaubnis, Beschlagnahme des Fahrzeugs & Festnahme kommen!

    Und dass Gaffer noch unflätig werden, sollten selbst direkt in einem Unfall werden, damit diese selbst des Gleichen gefilmt & mit den Worten “Autofahrer liegt schwerst verletzt auf der Fahrbahn.” in YouTube veröffentlich werden.

  • Tamara 4. Juli 2017, 9:03

    Oft wird der Verkehr einspurig an der Unfallstelle vorbei geleitet. Meiner Meinung nach wird dort dann extra langsam gefahren um ja alles genau sehen zu können. Da hat man gar keine Chance zügig vorbei zu fahren. Ist das schon ‘gaffen’?

  • Maly 24. Juli 2017, 7:49

    Für ein einziges illegal heruntergeladenes Musikstück werden gern mal ein paar Hundert Euro Strafe fällig.

    Man erkennt hier deutlich wo in Deutschland die Prioritäten gesetzt sind.

  • Fahrverbot 18. September 2017, 13:45

    Geldstrafen bewirken überhaupt nichts. Gaffer im Zusammenhang mit Verkehrsunfällen sollte man generell mit Freiheitsstrafen von 1-2 J. sowie (falls vorhanden) mit Führerscheinentzug mit lebenslangem Fahrverbot bestrafen. Es muss richtig wehtun sonst begreifen diese Hohlköpfe ihren Fehler nicht.

  • Siebrecht, A. 12. März 2018, 18:51

    Die Gesetze sind viel zu lasch….. Gaffer gehören hinter Gittern, am besten noch in eine geschlossene Abteilungen. Damit würde man endlich mal ein Zeichen setzen !!!!!
    Warum kann die Polizei Gaffer nicht an Ort u. Stelle einfach vorübergehend abführen ???? Auch das wäre eine Maßnahme, die zieht !!!!!! Mfg. A.Siebrecht

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