Kurz & knapp: Autofahren nach einem Schlaganfall
In der Regel entscheiden Betroffene selbst, ob Sie weiterhin Autofahren nach einem Schlaganfall. Grundsätzlich verboten ist das nicht. Gibt es kein ärztliches Fahrverbot nach Anlage 4 FeV, darf gefahren werden. Die Fahrerlaubnis wird nicht automatisch eingezogen.
Bei Auffälligkeiten kann die Fahrerlaubnisbehörde eine Prüfung der Fahreignung veranlassen. Erhält die Behörde Kenntnis, kann ein ärztliches Fahrverbot möglich sein.
Ein ärztliches Fahrverbot gilt in der Regel so lange, wie der Zustand die Fahreignung einschränkt. Wird die Fahreignung wieder nachgewiesen, wird das Fahrverbot aufgehoben. Mehr dazu lesen Sie hier.
Darf man nach einem Schlaganfall Autofahren?
Inhaltsverzeichnis
Ein Schlaganfall ist üblicherweise ein recht schwerwiegender gesundheitlicher Vorfall. Inwieweit danach Einschränkungen bestehen, hängt von der Schwere, also vom jeweiligen Einzelfall ab. Daher ist es auch nicht pauschal möglich zu sagen, ob Betroffene wieder Autofahren können nach einem Schlaganfall.
Neben körperlichen Einschränkungen, welche die Mobilität beeinträchtigen, kann es auch zu kognitiven Problemen kommen. Diese stellen dann ebenfalls ein Risiko dar und können die Fahrtauglichkeit in Frage stellen.
So sind folgende Einschränkungen bei Schlaganfällen möglich:
- Lähmungserscheinungen
- Mobilitätseinschränkungen
- Konzentrationsstörungen
- Reaktions- und Gedächtnisstörungen
- Gesichtsfeldeinschränkungen
Ein Symptom oder eine Kombination aus mehreren führt nicht selten dazu, dass das Führen eines Fahrzeugs nicht mehr sicher erfolgen kann. Stellen Betroffene dann eine Gefahr für sich und andere im Straßenverkehr dar, kann das Autofahren nach einem Schlaganfall untersagt werden.
Aber: Automatisch geschieht das nicht. Ein allgemeines Fahrverbot gibt es für Verkehrsteilnehmer nach einem Schlaganfall nicht. Es gilt jedoch eine Vorsorgepflicht. Nach § 2 Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV) gilt demnach:
„Wer sich infolge körperlicher oder geistiger Beeinträchtigungen nicht sicher im Verkehr bewegen kann, darf am Verkehr nur teilnehmen, wenn Vorsorge getroffen ist, dass er andere nicht gefährdet.“
In erster Linie müssen also Fahrer selber dafür Sorge tragen, dass sie für das Führen eines Fahrzeugs geeignet sind und keine Gefährdung darstellen.
Wie lange ist kein Autofahren nach einem Schlaganfall möglich?
Wie lange muss man nach einem Schlaganfall warten, bis man wieder Autofahren darf? Wie erwähnt, ist das pauschal nicht bestimmbar. Denn je nach Auswirkungen und Schwere kann das Autofahren nach einem Schlaganfall schnell wieder möglich oder für mehrere Monate bzw. sogar Jahre ausgeschlossen sein. In der Regel wird eine Pause von einem bis drei Monaten nach dem Schlaganfall empfohlen. Auch um den Betroffenen Zeit zur Erholung zu geben.
Es ist in jedem Fall wichtig, dass vor dem ersten Autofahren nach einem Schlaganfall eine medizinische Untersuchung erfolgt. Diese sollte auch die Fahrtauglichkeit untersuchen. Laien fällt es meist schwer, die eigene Tauglichkeit korrekt einzuschätzen. Es liegt jedoch, wie gesagt, in ihrer Verantwortung sicherzustellen, dass sie ein Fahrzeug sicher und gefahrlos führen können.
Fühlen sich Betroffene unsicher, ist es immer ratsam, ein Gutachten erstellen zu lassen und vorab Fahrstunden zu nehmen. Letztere bieten auch die Gelegenheit zu prüfen, ob Fahrer in bestimmten Verkehrslagen richtig reagieren können. Gleiches gilt für Übungsfahrten auf einem gesicherten Übungsplatz.
Wann droht ein ärztliches Fahrverbot?
Erlangt die Fahrerlaubnisbehörde Kenntnis von bestehenden Einschränkungen der Fahreignung, kann diese ein verkehrsmedizinisches Gutachten veranlassen. In diesem wird die Tauglichkeit dann entweder amtlich bestätigt oder abgesprochen. In letzterer Situation ist es dann möglich, dass ein ärztliches Fahrverbot erteilt wird. Dann ist das Autofahren nach einem Schlaganfall von Amtswegen untersagt.
Bessert sich der medizinische Zustand, müssen Betroffene ihre Fahreignung dann ebenfalls wieder durch ein Gutachten nachweisen. Zudem ist es möglich, dass zusätzlich eine medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU) angeordnet wird. Ein Nachweis der Fahrtauglichkeit kann dann auch im Falle eines Unfalls wertvoll sein.
Wichtig: Inhaber der Führerscheinklassen C und D müssen nach einem Schlaganfall in der Regel damit rechnen, dass ihnen die Fahrerlaubnis entzogen wird. Gemäß Anlage 4 zur FeV, dürfen diese Fahrzeuge nicht mehr geführt werden. Das Autofahren ist nach einem Schlaganfall dann verboten.
Was droht, wenn Sie unerlaubt Autofahren?
Ist Autofahren nach einem Schlaganfall aufgrund eingeschränkter Fahrtauglichkeit nicht möglich, sollten Betroffene dies auch nicht versuchen. Tun sie es dennoch, machen sie sich eventuell nach § 315c Strafgesetzbuch (StGB) strafbar. Hier droht eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren.
Das gilt auch, wenn aufgrund von Auffälligkeiten ein ärztliches Fahrverbot besteht. In diesem Fall liegt keine gültige Fahrerlaubnis vor, da die Fahreignung abgesprochen wurde. Fahren Sie dennoch, begehen Sie eine Straftat.
Achtung: Das Autofahren nach einem Schlaganfall kann die Versicherung ebenfalls interessieren. Fahren Betroffene nämlich trotz eingeschränkter Tauglichkeit, kann der Versicherungsschutz erlöschen. Sind Sie ohne diesen unterwegs, machen Sie sich auch in diesem Fall durch das Autofahren nach einem Schlaganfall strafbar.
In der nachfolgenden Grafik haben wir die wichtigsten Punkten zum Autofahren nach einem Schlaganfall nochmals zusammengefasst (zum Vergrößern klicken):
Kommentar hinterlassen